LEICHTATHLETIK | ISTAF BERLIN 2026

ISTAF Berlin 2026: Fünf deutsche Siege, ein 42 Jahre alter Rekord und 41.000 begeisterte Fans

Leo Neugebauer, Julian Weber, Gesa Krause, Emil Agyekum und die Mixed-Staffel – das ISTAF 2026 im Berliner Olympiastadion war ein Festtag des deutschen Leichtathletiksports. Dazu ein 42 Jahre alter Meetingrekord durch Chase Jackson im Kugelstoßen. Alle Ergebnisse, Highlights und Hintergründe.

Es gibt Leichtathletik-Nachmittage, die man nach wenigen Stunden bereits als historisch bezeichnen kann. Das ISTAF 2026 im Berliner Olympiastadion war einer davon. 41.000 Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten am Sonntag, den 30. August 2026, ein Meeting, das fünf deutsche Siege, zwei Meetingrekorde, eine Weltjahresbestleistung und jenen seltenen Moment vereinte, den großer Sport gelegentlich produziert: den letzten Versuch, der alles verändert.

Julian Weber hatte beim Speerwurf zwei überzeugende, aber nicht siegreiche Versuche hinter sich. Im letzten Versuch schaltete der Europameister, wie er selbst sagte, den Kopf aus – und schleuderte den Speer auf 89,54 Meter. Seinen fünften ISTAF-Sieg in Folge. Chase Jackson stieß die Kugel auf 21,02 Meter und brach damit einen 42 Jahre alten Meetingrekord. Und Emil Agyekum lief die 400 Meter Hürden in 48,18 Sekunden – vor seinem Heimpublikum in Berlin, das ihn zum deutschen Doppelerfolg anfeuerte. Das ISTAF 2026 war mehr als eine Summe von Zeiten, Weiten und Platzierungen. Es war ein Statement.

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Inhalt auf einen Blick

  1. Das ISTAF 2026 auf einen Blick: Fakten und Zahlen
  2. Die deutschen Siege: Neugebauer, Weber, Krause, Agyekum und die Mixed-Staffel
  3. Internationale Highlights: Jackson, Goldson und weitere Weltklasseleistungen
  4. Alle Ergebnisse im Überblick
  5. Das ISTAF und seine Geschichte: Europas traditionsreichstes Leichtathletik-Meeting
  6. Das Olympiastadion Berlin als Austragungsort
  7. Ausblick: ISTAF 2027 und die Leichtathletik-Saison

 

1. Das ISTAF 2026 auf einen Blick: Fakten und Zahlen

Merkmal Details
Veranstaltung ISTAF Berlin 2026 – Internationales Stadionfest
Datum Sonntag, 30. August 2026
Austragungsort Olympiastadion Berlin
Zuschauer 41.000 (ausverkauft)
Deutsche Siege 5 (Neugebauer, Weber, Krause, Agyekum, Mixed-Staffel)
Meetingrekorde 2 (Kugelstoßen Frauen: Chase Jackson 21,02 m; Rudi-Thiel-Meile U20)
Weltjahresbestleistung Chase Jackson im Kugelstoßen: 21,02 m
Diamond League Status ISTAF ist Teil der Diamond League – der höchsten Wettkampfserie der Weltleichtathletik
Besonderheit Rudi Thiel (98 Jahre), Namensgeber der Meile, verfolgte das Meeting live im Stadion

 

Das ISTAF – Internationales Stadionfest – ist nicht nur eines der ältesten Leichtathletik Meetings der Welt, es ist auch eines der publikumsstärksten. 41.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Olympiastadion Berlin – einem der schönsten und historisch bedeutendsten Sportstadien Europas – schufen eine Atmosphäre, die selbst international erfahrene Athletinnen und Athleten regelmäßig als außergewöhnlich beschreiben. Das ISTAF 2026 fand zudem in einem besonderen Kontext statt: nur zwei Wochen nach den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham, deren deutsche Medaillengewinner in Berlin gefeiert wurden.

 

2. Die deutschen Siege: Neugebauer, Weber, Krause, Agyekum und die Mixed-Staffel

 

Leo Neugebauer

ISTAF-Dreikampf (100 m / Diskus / 1.500 m) | Gesamtsieger

Der Welt- und Europameister im Zehnkampf gewann den ungewöhnlichen ISTAF-Dreikampf zum zweiten Mal – nach seinem ersten Sieg bereits 2024. Der Wettkampf begann dramatisch: Neugebauer vergab die ersten beiden Diskuswürfe mit ungültigen Versuchen. Im dritten und letzten Anlauf bewies der deutsche Rekordhalter die Nervenstärke, die ihn zu einem der komplettesten Mehrkämpfer der Welt macht: 58,54 Meter, gültig, Grundstein für den Gesamtsieg. Beim abschließenden 1.500-Meter-Lauf durfte er dank der Gundersen-Methode mit fast 40 Sekunden Vorsprung starten – und ließ sich diesen Vorteil nicht mehr nehmen. Im Kampf um Platz zwei setzte sich Amadeus Gräber knapp gegen Niklas Kaul durch.

 

Julian Weber

Speerwurf | 89,54 m – fünfter ISTAF-Sieg in Folge

Der Europameister feierte am Tag nach seinem 32. Geburtstag den wohl emotionalsten seiner zahlreichen ISTAF-Siege. Nach zwei soliden, aber nicht führenden Versuchen stand Weber vor dem letzten Anlauf unter Druck. Was folgte, war der Moment, für den Leichtathletik-Fans ins Stadion kommen: Weber schaltete den Kopf aus – wie er selbst jubelte: ‚Im letzten Versuch konnte ich einfach den Kopf ausschalten und alles oder nichts gehen.‘ 89,54 Meter. Fünfter ISTAF-Sieg in Folge. Rang zwei ging an Ex-Weltmeister Anderson Peters aus Grenada (83,32 m), Nick Thumm (VfB Stuttgart), der bei der EM mit Sensationssilber überrascht hatte, wurde mit 83,10 Metern Vierter.

 

Emil Agyekum

400 Meter Hürden | 48,18 Sekunden

Einer der emotionalsten Momente des Tages gehörte dem Berliner Emil Agyekum. Der Vize-Europameister und Deutsche Rekordhalter gewann die 400 Meter Hürden in 48,18 Sekunden – und wurde dabei von 41.000 Fans im Olympiastadion seiner Heimatstadt nach vorne getragen. Trainingspartner Owe Fischer-Breiholz komplettierte als Zweiter den deutschen Doppelerfolg in einem der schnellsten 400-Meter-Hürden-Felder, das je beim ISTAF an den Start gegangen ist.

 

Gesa Felicitas Krause

2.000 Meter Hindernis | 5:56,79 Minuten

Die Europameisterin zeigte, dass auch eine lange und intensive Saison ihrer Klasse nichts anhaben kann. Trotz eigener Aussagen, ziemlich müde zu sein, setzte sich Gesa Krause auf den letzten beiden Runden ab und gewann die 2.000 Meter Hindernis ungefährdet in 5:56,79 Minuten. Das Schaulaufen der deutschen EM-Heldinnen endete mit einem weiteren deutschen Triumph – und standing ovations von einem Publikum, das Krause seit Jahren als eine der beliebtesten Sportlerinnen Deutschlands feiert.

 

Deutsche 4×100 m Mixed-Staffel

4 x 100 Meter Mixed | 40,99 Sekunden

Das Quartett mit Gina Lückenkemper, Rebekka Haase, Marvin Schulte und Lucas Ansah-Peprah ließ sich von den 41.000 Zuschauerinnen und Zuschauern buchstäblich zum Sieg tragen. Die Mixed-Staffel in 40,99 Sekunden war der fünfte und letzte deutsche Erfolg eines außergewöhnlichen Wettkampftags. Gina Lückenkemper, die im Einzel-Sprint in 11,22 Sekunden knapp der Jamaikanerin Sabrina Dockery unterlegen war, holte damit noch den versöhnlichen Abschluss ihres ISTAF-Abends.

 

3. Internationale Highlights: Jackson, Goldson und weitere Weltklasseleistungen

Chase Jackson bricht 42 Jahre alten Meetingrekord

Der spektakulärste internationale Moment des ISTAF 2026 gehörte Chase Jackson aus den USA im Kugelstoßen der Frauen. Die Amerikanerin stieß die Kugel auf 21,02 Meter – eine Weltjahresbestleistung und gleichzeitig ein neuer Meetingrekord, der 42 Jahre Bestand gehabt hatte. Auch dahinter erzielten die Athletinnen Weltklasseweiten: Sarah Mitton aus Kanada sicherte sich mit 20,10 Metern Rang zwei. Das Kugelstoßen der Frauen war eine der stärksten Einzeldisziplinen des gesamten Meetings.

Kadrian Goldson gewinnt die 100 Meter

Der Jamaikaner Kadrian Goldson gewann die 100 Meter der Männer in 9,98 Sekunden und unterstrich damit, dass die karibische Sprintdominanz ungebrochen ist. Im Frauen-Sprint musste sich Lokalmatadorin Gina Lückenkemper in 11,22 Sekunden der Jamaikanerin Sabrina Dockery geschlagen geben – eine knappe Niederlage, die durch den späteren Mixed-Staffel-Sieg aber aufgewogen wurde.

Rudi-Thiel-Meile: Meetingrekord im U20-Bereich

Die Rudi-Thiel-Meile – benannt nach dem langjährigen ISTAF-Organisator und ‚Mr. ISTAF‘ Rudi Thiel, der es sich auch mit 98 Jahren nicht nehmen ließ, das Meeting live im Olympiastadion zu verfolgen – endete mit einem zweiten Meetingrekord des Abends. Ein 19-jähriger Youngster, der bereits im Vorfeld den U20-Europarekord auf 8:24,40 Minuten verbessert hatte, krönte seine starke Saison mit einem historischen Ergebnis. Tom Stephan (TV Lilienthal) gewann den Spurt um Rang zwei mit 4:14,44 Minuten. Bakr El Asri erhielt seine Siegestrophäe aus den Händen von Rudi Thiel persönlich.

 

4. Alle Ergebnisse im Überblick

Disziplin Platz 1 Leistung Platz 2 Platz 3
100 m Männer Kadrian Goldson (JAM) 9,98 s
100 m Frauen Sabrina Dockery (JAM) 11,22 s Gina Lückenkemper (GER) 11,22 s
400 m Hürden Männer Emil Agyekum (GER) 48,18 s Owe Fischer-Breiholz (GER)
2.000 m Hindernis Frauen Gesa F. Krause (GER) 5:56,79 min
Speerwurf Männer Julian Weber (GER) 89,54 m Anderson Peters (GRN) 83,32 m Nick Thumm (GER) 83,10 m
Kugelstoßen Frauen Chase Jackson (USA) 21,02 m (MR, WL) Sarah Mitton (CAN) 20,10 m
ISTAF-Dreikampf Leo Neugebauer (GER) Gesamtsieger Amadeus Gräber (GER) Niklas Kaul (GER)
4×100 m Mixed Deutschland 40,99 s
Rudi-Thiel-Meile Meetingrekord U20 Tom Stephan (GER) 4:14,44 Bakr El Asri

 

MR = Meetingrekord | WL = Weltjahresbestleistung

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5. Das ISTAF und seine Geschichte: Europas traditionsreichstes Leichtathletik-Meeting

Das ISTAF – Internationales Stadionfest Berlin – ist eines der ältesten und traditionsreichsten Leichtathletik-Meetings der Welt. Die erste Ausgabe fand 1921 statt, und seitdem hat sich das ISTAF – mit Unterbrechungen durch den Zweiten Weltkrieg – zu einem festen Bestandteil des internationalen Leichtathletik-Kalenders entwickelt. Seit 2010 ist das ISTAF Teil der Diamond League, der höchsten Wettkampfserie im Leichtathletik-Weltverband World Athletics.

Was das ISTAF von anderen Diamond-League-Meetings unterscheidet, ist seine enge Verbindung mit der Stadt Berlin und die außergewöhnliche Atmosphäre, die das Olympiastadion mit seinen 74.000 Plätzen (für Leichtathletik-Meetings auf rund 41.000 reduziert) schafft. Kein anderes deutsches Leichtathletik-Meeting zieht in dieser Regelmäßigkeit so viele Zuschauerinnen und Zuschauer an. Das ISTAF ist – neben dem IAAF-Grand-Prix in Zürich und dem Weltklasse-Meeting in Stockholm – eines der wenigen europäischen Meetings, bei denen der Name der Veranstaltung selbst eine Marke ist.

Die Rudi-Thiel-Meile, benannt nach dem langjährigen Meetingdirektor und Organisator Rudi Thiel, ist ein Symbol dieser Tradition. Thiel, der das ISTAF über Jahrzehnte geprägt hat und 2026 im Alter von 98 Jahren noch persönlich anwesend war, steht für das institutionelle Gedächtnis einer Veranstaltung, die zwei Weltkriege, die deutsche Teilung und den Wandel des professionellen Leichtathletiksports überlebt hat.

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6. Das Olympiastadion Berlin als Austragungsort

Das Olympiastadion Berlin ist einer der bekanntesten Sportschauplätze der Welt. Erbaut für die Olympischen Spiele 1936, umfassend renoviert für die Fußball-WM 2006, ist es heute Heimstätte von Hertha BSC und gleichzeitig einer der wichtigsten Multisport-Veranstaltungsorte Europas. Für Leichtathletik bietet es eine Kombination aus historischer Aura, exzellenter Sichtbarkeit von fast allen Plätzen und einer Stimmung, die in dieser Intensität in Deutschland nicht reproduzierbar ist.

Für das ISTAF hat das Olympiastadion eine besondere Bedeutung: Es ist seit den 1950er Jahren der einzige Austragungsort des Meetings – eine Kontinuität, die dem ISTAF seine Identität gibt. Die Laufbahn, die Sprunggruben und die Wurfanlagen sind auf internationalem Topniveau und werden jedes Jahr für das Meeting intensiv gewartet.

Für Besucher des ISTAF 2027

Tickets für das ISTAF sind in der Regel bereits Monate vor dem Meeting erhältlich und ausverkauft. Frühzeitig buchen ist zwingend erforderlich. Das Olympiastadion ist per U-Bahn (Linie U2, Station Olympia-Stadion) und S-Bahn (S5, S7, S75, Station Olympiastadion) gut erreichbar. Die Anfahrt mit dem Auto wird aufgrund der Parkplatzsituation nicht empfohlen.

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7. Ausblick: ISTAF 2027 und die Leichtathletik-Saison

Das ISTAF 2026 war nicht nur ein sportlicher Höhepunkt – es war nach eigener Aussage der Veranstalter auch ein starkes Signal für Olympia. Die deutschen Weltklasseleistungen von Neugebauer, Weber, Krause und Agyekum – allesamt Medaillengewinner der EM in Birmingham – zeigen, dass die deutsche Leichtathletik in einer Stärke ist, die Hoffnungen für die nächsten Olympischen Spiele rechtfertigt.

Die 41.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die das ISTAF 2026 zu einem Heimspiel der deutschen Leichtathletik gemacht haben, sind selbst ein Signal: Leichtathletik ist in Deutschland publikumsfähig, wenn die richtigen Stars, der richtige Rahmen und die richtige Atmosphäre zusammenkommen. Das ISTAF ist seit über 100 Jahren der Beweis dafür.

‚Ohne die tollen Fans hätte ich das nicht geschafft. Berlin ist geil, die Leichtathletik ist geil.‘ – Julian Weber nach seinem fünften ISTAF-Sieg in Folge

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Das ISTAF 2026 war ein Festtag. Fünf deutsche Siege, 41.000 begeisterte Fans, ein 42 Jahre alter Rekord und Athletinnen und Athleten, die nach einer intensiven EM-Saison noch einmal alles gegeben haben. Berlin hat gezeigt, was Leichtathletik sein kann, wenn die Bedingungen stimmen: ein Volkssport, ein Spektakel, ein Erlebnis. Bis zum ISTAF 2027.